Bergmannskleidung

Über die Symbolik der Bergmannstracht

Kaum eine Berufsgruppe verfügt über so viele Traditionen wie die der Berg- und Hüttenleute. Wir Blasmusiker kennen Musikvereine aus dem Umfeld von Bergbau und Industrie. Sie repräsentieren eine jahrhundertelange Tradition, die in erster Linie mit dem Leben und Leiden der heiligen Barbara als Schutzheilige der Berg- und Hüttenleute in Verbindung gebracht wird.

Die Bekleidung der Bergleute lässt sich bis ins Spätmittelalter zurückverfolgen. Dabei wird zwischen der älteren maximilianischen Bergmannstracht mit weißem Mantel und Kapuze und der uns bekannten schwarzen Form unterschieden. Der schwarze Bergkittel ist seit Beginn des 18. Jahrhunderts in Gebrauch und zu beiden Formen wird oft das sogenannte Arschleder getragen, das zum Schutz gegen Feuchtigkeit oder beim Anfahren umgeschnallt wurde. Innerhalb des in der Blasmusik üblichen schwarzen Bergkittels gibt ist mit dem sogenannten „Biberstollen“ noch eine Sonderform für höhere Bergbeamte, die heute z.B. noch von manchem Kapellmeister getragen wird und an ihren Puffärmeln erkennbar ist.

Symbolreiche Bekleidung

In Österreich wird der Bergkittel meist aus schwarzem und grünem Stoff mit goldenen Knöpfen und Applikationen gefertigt; Schwarz für den dunklen Stollen, Grün für die Natur und Gold für Sonne über Tage. Der neunfach gezackte Schulterkragen diente ursprünglich zum Schutz gegen Tropfwasser, wobei die Zacken für die neunjährige Gefangenschaft der heiligen Barbara in einem Turm stehen. Die 29 goldenen Knöpfe stehen für ihre Lebensjahre. Üblicherweise werden die obersten drei offengelassen, denn die Heilige Barbara wollte der Legende nach zur Erinnerung an die Heilige Dreifaltigkeit ein drittes Fenster im Turm haben. Oft wird auch genannt, dass sie Glaube, Hoffnung und Liebe oder eben drei mal drei Jahre Leiden symbolisieren sollen.

An den Ärmeln und auf den Knöpfen vieler Bergmannskittel sind goldene Wappen zu finden. Schlägel und Eisen (Gezähe) in gekreuzter Form sind die Werkzeuge der Bergleute und in ihrer gekreuzten Form ein Glückssymbol, wobei der Schlägel immer über dem Eisen liegt. Im Hüttenbereich wird noch eine Zange in der Mitte eingefügt und viele Fransen an den Ärmeln dienten früher als Dochte für Lampen oder als Zündschnüre.

Schachtmütze und Berghut

Viele Musikvereine tragen zum Bergkittel eine Schachtmütze, die ihren Ursprung als schützende Kopfbedeckung hatte. Bei festlichen Anlässen wird zumeist der Berghut (auch Tschako oder Kalpak) getragen. Als Krönung ist der farbige Federbusch zu sehen. Ursprünglich wurde er zur Reinigung der Sprenglöcher verwendet, heute zeigt seine Farbe an, zu welchem Revier der Verein gehört. Rot steht dabei z.B. für Magnesit, Schwarz / Weiß für Kohle und Salz, Blau für Eisen und Stahl usw.

Innerhalb dieser Kleidung haben sich viele Details herausgebildet, deren Nennung ganze Bücher füllen würde. Sie alle stehen jedoch für eine lange Tradition, die in unseren Musikvereinen weiterlebt.

 

Arschleder

Arschleder

 

Bergmann der mit dem Arschleder einfährt

 

Das Arschleder zählte zur Kleidung des Bergmannes. Es diente als Schutz vor dem Durchwetzen des Hosenbodens bei der Arbeit sowie zum persönlichen Schutz gegen Bodennässe beim Sitzen. Außerdem hatte es eine Schutzfunktion insbesondere beim Einfahren in tonnlägige Schächte.
Das Arschleder ist ein halbrundes Lederstück und wurde am Leibriemen getragen.
Georg Agricola schrieb in seinem Buch De re metallica 1556: ,,so sitzend die Berghäwer auf ihr Ars/eder, das um die Lenden gebunden, dahinter herabhanget.”

Später wurde es auch in schmuckvollen Ausführungen zum Habit (Paradeuniform) bei Bergparaden getragen. Bei bergmännischen Brauchtumsveranstaltungen wird dieses Utensil auch für den sogenannte Arschledersprung genutzt.

Das Arschleder des Bergmannes ist in die Gestaltung von Räuchermännchen und Nußknackern aus Erzgebirge eingeflossen.
Das Arschleder hat auch seinen Eingang ins bergmännische Liedgut gefunden. So heißt es in der 1. Strophe der im Ruhrgebiet gesungenen Fassung des Steigerlieds:
“Die Bergleut sein kreuzbrave Leut’ / denn sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht / denn tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht / und saufen Schnaps, und saufen Schnaps.”
In abgewandelter Form gehört dieses Lied auch zum Liedgut der Studentenschaft der Bergakademie Freiberg in Sachsen.

Der Kalpak

Die ersten Nachforschungen zeigten unverzüglich die zu erwartenden Schwierigkeiten dahingehend auf, als es außer wenigen punktuellen Hinweisen keine geschichtlichen Unterlagen über die für uns heute so selbstverständlich getragene Kopfbedeckung gibt.

Die nachfolgenden Ausführungen stellen also eine Zusammenfassung der über die Montanuniversität Leoben, dem deutschen Bergbaubereich und der ungarischen Montanuniversität Chemnitz erhaltenen Hinweise dar.

Die Bezeichnung „KALPAK“ kommt aus dem türkischen und so bezeichneten die TATAREN die von ihnen getragene Lammfellmütze, welche bei den ansässigen Tataren von plumper, massiver, bei den nomadisierenden Tataren jedoch von kleinerer und gefälligerer Art war.

In weiterer Folge wurden mit KALPAK die in Armeniern vorgeschriebenen hohen Filzmützen bezeichnet, von wo dieses Wort ins Ungarische überging und der KALPAK noch heute zum ungarischen Nationalkostüm gehört. In Ungarn und einigen anderen europäischen Ländern bildete der pelzverbrämte KALPAK ein Stück der militärischen Uniform.

Es war z. B. die gerade hohe Pelzmütze der ungarischen Husaren. Bei den deutschen Husaren hingegen wurde als „KOLPAK“ der tuchene Zipfel oben in der Pelzmütze bezeichnet, dessen Farbe als Regimentsabzeichen diente.

Da der ungarische Bergbau immer wieder sächsische Bergleute als besonders bergerfahren ins Land holte, wie es im mittelalterlichen Bergbau des deutschen Sprachraumes auch der Fall war, kam diese Kopfbedeckung mit ihrer Originalbezeichnung im Laufe der Jahre über Sachsen auch zu uns und wurde so nach und nach auch hier bei bergmännischen Festtrachten als Kopfbedeckung übernommen.

Die älteste ungarische Darstellung der Bergmannstracht mit KALPAG stammt aus dem Jahre 1513, wo in einer Kirche in ROZSNYO in Nord-Ungarn, nicht weit von Chemnitz, auf einem Altarbild der Heiligen Anna ein Bergmann mit „KALPAG“ dargestellt ist. Die Heilige Anna ist die Mutter von Maria und war seinerzeit die Schutzpatronin der Bergleute. Eine Fotografie dieses Altarbildes befindet sich im Bergbaumuseum Rudabànya im heutigen Nord-Ungarn.

Den sächsischen Kurfürsten ist übrigens die Entstehung der bergmännischen Festtracht als Zunftkleidung im Besonderen zuzuschreiben und zu verdanken. Sie förderten von allem Anfang an den Erzbergbau in ihrem Lande als eine staatliche Einnahmequelle und liebten es, an Festtagen Bergparaden abzuhalten und die Bergleute an sich vorbeimarschieren zu lassen.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts machte sich die Lust zum Reglementieren und Uniformieren ganz besonders geltend.

Die denkwürdige Parade im „Plauenschen Grund“ bei Dresden am 26. September 1719, die anlässlich der Vermählung der österreichischen Erzherzogin Maria Josepha, Tochter Kaiser Josefs I., mit dem Sächsischen Kurprinzen stattfand und bei der rund 1600 Berg- und Hüttenleute teilnahmen, war von ausschlaggebender Bedeutung für die Entwicklung der Bergmannstracht, denn alle waren im „Berg-Habit“ gekleidet, vom Klaubejungen bis zum Oberberghauptmann.

Kurz vor bzw. in dieser Zeit, also der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert, fand der grüne Schachthut oder KALPAK als Kopfbedeckung seinen endgültigen Eingang in die Bergmannstracht.

Im Kärntner Bergbau ist heute als Festtracht allgemein der schwarze Bergkittel ohne Rangabzeichen eingeführt, der gegenwärtig im schwarzem Samtbesatz, siebenfach gezacktem Schulterkragen, 29 goldenen Knöpfen (nach der Legende wurde die Heilige Barbara 29 Jahre alt) und den bergmännischen Symbolen „Schlägel und Eisen“ an beiden Oberarmen getragen wird. Dazu wird in Österreich die kleine schwarze Schachtmütze aus Samt benützt, welche eine goldbestickte Kokarde mit „Schlägel und Eisen“ an der linken Seite schmückt.

Die Musiker der früheren BBU-Kapellen tragen als Kopfbedeckung den KALPAK, auch Tschako genannt, welcher mit einer Kokarde „Schlägel und Eisen“ und einem Federbusch geziert ist.

Seit altersher haben Bergbau und Bergwerk einer Landschaft das Gepräge aufgedrückt und den Menschen geformt. Die Bergmannsarbeit stellt seit jeher eine Gemeinschaftsarbeit besonderer Form und unter besonderen Gefahren dar.

Deshalb schlossen sich die Bergleute zu einem eigenen Stand zusammen, für das Bergmannstracht und Bergmannslied sowie bergmännisches Brauchtum ein lebendiger Ausdruck sind. Das Tragen dieser Zunftkleidung ist einer der Grundpfeiler des bergmännischen Brauchtums in Mitteleuropa und es wird sehr darauf zu achten sein, dass infolge des Niederganges des gesamten europäischen Bergbaues wenigstens dessen Brauchtum wird erhalten werden können.