Bergbaugeschichten

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Angelo Soliman

ein wohl skurriler Gewerke im Schladminger Bergbau

Angelo Soliman wurde vermutlich um 1721 im heutigen Nordostnigeria geboren und kam nach kriegerischen Auseinandersetzungen seines Stammes als Sklave nach Messina, wo er als Zehnjähriger von einer reichen Marquise einem Sklavenhändler abgekauft wurde. Diese Frau sorgte dann in weiterer Folge für seine Erziehung.
Aus Liebe zu einem Dienstmädchen namens„ Angelina” nahm er den Namen Angela an, und man fügte als Nachname Soliman hinzu. Nachdem er an einem 11. September getauft wurde, feierte er diesen Tag dann als seinen Geburtstag.
1734 wurde er aus Dankbarkeit von der Marquise dem Fürsten Johann Georg Christian von Lobkowitz, dem Befreier von Messina, geschenkt. Bei diesem war er Kammerdiener, Reisebegleiter und Soldat. In einer Schlacht rettete er Lobkowitz das Leben ,was sehr zu seinem sozialem Aufstieg beitrug.

Nach Lobkowitz Tod kam Soliman zu Fürst Wenzel von Liechtenstein, wo er zum Chef der Dienerschaft aufstieg. Zu dieser Zeit freundete er sich unter anderem mit Franz Moritz Graf von Lacy an. Auch Kaiser Joseph II. schätzte seine Gesellschaft und so kam es, dass Soliman 1764 an der Krönung Joseph II. In Frankfurt teilnahm.

An diesen Aufenthalt knüpft sich auch folgende Anekdote: So soll er beim Kartenspiel „Pharao” 20 000 Gulden gewonnen haben, mit welchen er 1766 die beiden Anteile an der Gewerkschaft „Peter und Paul – Stollen” erwarb und somit Gewerke im Bereich Vetternspitze – Zinkwand, wurde. Nach anfänglich gutem Ertrag ließ der Bergsegen jedoch sukzessive nach und Soliman verlor den Großteil seines Vermögens. 1768 heiratete er die Witwe Magdalena Christiani ohne Wissen des Fürsten von Liechtenstein, worauf ihn dieser, um spätere ,,Versorgungskosten” für die Hinterbliebenen zu sparen, entließ.

Am 19. Dezember 1772 wurde seine Tochter Josephine geboren. Sie heiratete später den damaligen Militäringenieur Ernst von Feuchtersleben. Beider Sohn, Eduard von Feuchtersleben, studierte Bergbauwissenschaften und wurde Sudhüttenmeister in Bad Aussee.
Nach dem Tod von Wenzel Fürst Liechtenstein im Jahre 1773 wurde Soliman von dessen Neffen Franz Fürst Liechtenstein, als „Wiedergutmachung” für die Entlassung durch seinen Onkel, als Erzieher von Prinz Alois von Liechtenstein wieder aufgenommen.
Soliman erreichte als Erzieher am Fürstlichen Hof den Höhepunkt seiner gesellschaftlichen Laufbahn. So wurde er 1781 in die Freimaurerloge „Zur Wahren Eintracht” aufgenommen, wo er innerhalb von vier Wochen in den Meistergrad erhoben wurde. Durch seinen Eintritt in die Freimaurerloge gelangte er in einen Kreis von einflussreichen Persönlichkeiten und Wissenschaftern.
Am 21. November 1796 verstarb Angela Soliman an den Folgen eines „Schlagflusses”. Schon wenige Stunden nach seinem Tod fertigte der Bildhauer Franz Thaler vom Leichnam einen Gipsabguss an. Ein Abguss des Schädels ist im Rollett – Museum in Baden erhalten.

„Wegen der Schönheit seiner Gesichtszüge und der Ebenmäßigkeit seines Körpers” wurde der Körper aus Holz geschnitzt und mit der Haut des Verstorbenen überzogen. Auf Wunsch des Kaisers wurde er danach im Naturalienkabinett seines neugegründeten Museums ausgestellt. Nach mehrmaligen Interventionen seiner Tochter Josephine und über Anweisung des neuen Direktors, Karl Schreiber, wurde er 1803 mit drei weiteren„Menschenpräparaten” aus der Ausstellung genommen und in eine Dachbodenkammer verbracht. Dort brach im Revolutionsjahr 1848 durch einen Granatentreffer ein Brand aus, der alles vernichtet hat.

Damit endete die Geschichte des „Hochfürstlichen Mohr zu Wien” und „Schladminger Kobaldgewerken” Angela Soliman.

Ab- und Aufgeschrieben von Johann Grill, Mai 2018
Literatur:

  • Alfred Weiß, DA SCHAU HER, Die Kulturzeitschrift aus Österreich, Mitte 1/2003/Februar
  • Monika Firla, Angela Soliman und seine Freunde im Adel und in der geistigen Elite
  • Wikipedia, die freie Enzyklopädie

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Der Erdäpflkeller im Kupferbergwerk

Es muß sich in den Fünfziger Jahren im Kupferbergbau Mitterberg, in Mühlbach am Hochkönig, zugetragen haben.
Die Arbeit der Bergleute war sehr schwer und gefährlich, desshalb wurden immer wieder junge, kräftige Burschen für die harte Arbeit Untertage eingestellt.
Die alten und erfahrenen Bergleute mußten diese erst einschulen, denn sie hatten natürlich keine bergmännische Erfahrung, aber sie waren stark und willig.
Trotz, oder gerade wegen der harten und gefährlichen Arbeit Untertage, gab es auch Zeit für das eine oder andere Späßchen.
Eines Tages war ein Arbeitstrupp mit einem Hauer und einem jungen Knappen vor Ort und bohrte Sprenglöcher in einen Aufbruch.
Der alte Bergmann sagte in der Jausenzeit den Jungen, dass der Aufbruch etwa 50 m nach oben getrieben werden soll.
Er erzählte ihnen aber auch, dass über dem Bergbau eine Landwirschaft mit Gehöft angesiedelt ist.
Es vergingen 2 – 3 Monate und der Aufbruch (Schacht) wanderte immer weiter nach oben.
Bevor sie die letzten Abschläge bohrten und sprengten, erklärte er den jungen Hauer: „Du, der Kartoffelkeller vom Bauern kann nicht mehr weit entfernt sein“.
Der sehr brave, aber mit dem Leben und den Späßen der Bergleute wenig Vertraute, war sehr erstaunt über diese Mitteilung und meinte: „Und da kann der Bauer da oben überhaupt noch ruhig schlafen?“
Beim letzten Abschlag (letzte Sprengung) hatte der junge gerade einen Tag frei gehabt und einige Stunden nach der Sprengung ging „der alte Bergmann“ mit einem Sack Kartoffeln zum Aufbruch und verteilte diese über das gesprengte Hauwerk (Gestein).
Am nächsten Tag kamen die zwei wieder vor Ort und waren über den Zustand des Hauwerks sehr erstaunt ??!!
Der junge war am Boden zerstört und meinte ganz erschrocken:
„Jetzt homa den Scher’m auf, jetzt samma in Erdäpfikölla vom Bauern“ !

„Die Moral von dieser G’schicht: Trau an oltn Bergmonn nicht.
Er is zwoa gscheid oba liagen tuat er hoit a Wengerl.“

Glück auf !
Christian Kavelar

Der Tzscherper

war vom 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts als feststehendes Messer mit gerader Schneide ein unentbehrliches Werkzeug des Erzbergmanns. In der Zeil, als dem Bergmann für die Gewinnung der Erze sowie für den Vortrieb von Stollen und Strecken nur Schlägel und Eisen zur Verfügung standen, diente er vor allem dazu, dem Stiel an welchem das Bergeisen befestigt wurde jeweils so zurechtzuschneiden, daß es für ein neu aufzuziehendes Bergeisen paßte. Denn in einer Schicht verschlug ein Bergmann 10 bis 12 Bergeisen. Außerdem prüfte er mit diesem Messer auch das einzubauende Grubenholz, ob es •gesund”, d.h. brauchbar (nicht morsch) war. In den nur auf Fahrten (Leitern) zu befahrenden Schächten waren alle 7 bis 8m Ruhebühnen eingebaut, auf denen jeweils eine Anzahl Reserve-Sprossen lag. Trat ein Bergmann eine Sprosse durch, war er verpflichtet, sofort eine neue Sprosse einzuziehen, um zu verhindern, daß ein nachfolgender Bergmann keinen Halt fand und womöglich abstürzte. Auch dazu brauchte er den Tzscherper. In einer Verordnung des Bergamts zu Clausthal vom Jahre 1850 heißt es ausdrücklich:

“… da aber nicht jeder Bergmann eine Axt oder Barte führt, so hat sich jedoch ohne Ausnahme jeder einfahrende Bergmann mit seinem Tzscherper in guter Scheide zu versehen, um bei augenblicklicher Entbehrung einer Axt oder einer Barte mit Hülfe dieses Messers die Einziehung einer Sprosse doch wohl bewerkstelligen zu können.”

Natürlich benutzen die Bergleute das Messer nicht nur bei der Arbeit sondern auch um damit “über den Daumen” ihr Brot zu essen, woraus die Tradition des Tzscherper-Frühstücks entstand, die noch heute, nicht nur aus Anlaß des Berg- und des Bergdankfests gepflegt wird, selbst wenn der Bergbau inzwischen erloschen ist.
Für das Zuschneiden der Helme und Holzsprossen war eine Klinge mit breiter Auflage für den Daumen vorteilhaft, welche einen guten Andruck ermöglicht und sich daher als Hartwurstmesser geradezu anbietet.
Der Ursprung des Tzscherpers ist vermutlich im sächsisch-böhmischen Bergbau zu suchen von wo es durch die Wanderung sächsischer Bergleute auch in den Harz gelangte.
Obwohl die Messer oft in den jeweiligen Grubenschmieden gefertigt wurden, also nicht als industrielles Serienprodukt entstanden, haben sich zwischen Harz- und Erzgebirge doch einige typische Unterschiede herausgebildet.
Der Harzer Tzscherper ist in der Regel deutlich größer und besitzt einen einheitlichen (durchgehenden) meist leicht birnenförmigen Holzgriff.
Anders der kleinere erzgebirgische Tzscherper mit eckiger Klingenspitze (und Griffende) sowie aus wechselnden Holz- und Hirschhornscheiben (dunkel/hell) aufgebautem Griff, wobei sich selbst zwischen den 4 Bergbaurevieren des Erzgebirges noch kleinere Unterschiede festgesetzt haben.
Die Zahl der Scheiben des Griffes variiert d.h. es existieren auch Stücke, welche zunächst ein längeres Horn- oder Holzstück und nur wenige Horn/Holz-Wechsellagen besaßen (zu finden z.B. im OBERHARZER BERGWERKSMUSEUM CLAUSTHAL-ZELLERFELD}. Generell werden die Tzscherpergriffe zur Klinge hin mit einem Messingring umfaßt und am anderen Ende durch eine Messingplatte abgeschlossen.
Getragen wurde der erzgebirgische Tzscherper in einem Lederköcher (2-3 Messer von oben eingesteckt), welcher seitlich neben einer kleinen Tasche befestigt war. Verziert war die Taschenklappe häufig mit einem aufgesetzten oder eingeprägten Schlägel &· Eisen, wie Sie dies auch bei unserer Tzscherpertasche finden.
Neben der erzgebirgischen Form kommt z.B. im Harz noch eine Ausführung vor, bei der 2 Messer (gegeneinander) von der Seite her in die Tasche eingesteckt werden.

Apropos: Vermutlich nie geklärt werden wird die wirklich “richtige” Schreibweise.
Schon in alten Quellen finden sich entsprechend unterschiedlichen Versionen: “Tscherper … wird in der Grube gebraucht das Gezimmer zu bestechen …”  oder “Hervor mein Zschärper scharf und gut du schneidest Brot & Eisenhelm …” Wenn deutschen Ursprungs so ist der Wortstamm sicher in schärfen (Mittelhochdeutsch scherten) zu suchen, wenn slawischer Herkunft so könnte es mit szarpac (poln. zerschneiden) zusammenhängen.
Man wird also weiterhin zu recht regional unterschiedlich z.B. von Tscherper, Tzscherper (Erzgebirge), Tzschärper (Erzgebirge), Zschärper (Harz) oder auch Schärper (Harz} sprechen.